Hier das Review für die eben durchgezockte PS3-Version. Spielzeit ca. 16 Stunden für die Story mit fast allen Minispielchen, Rennen und Gefälligkeiten/Nebenmissionen:
Ja, Sleeping Dogs bietet eine gute Alternative zu GTA4, wenn es um City-lastige Open-World-Titel geht. Man darf sich allerdings nicht der Illusion hingeben, Sleeping Dogs würde das Rad in diesem Genre neu erfinden. Allerdings weiß das Game mit einigen m.E. tollen Features zu glänzen, die mich auch wirklich zum Weiter- und Durchspielen motiviert haben. Die Welt mag nicht so detailliert und groß sein, wie die bei GTA4, und auch die Story des Undercover-Cops, der zugleich eine Triaden-Karriere hinlegt, ist sicherlich nicht neu, zudem empfand ich Sleeping Dogs bei Weitem nicht so humorvoll wie noch GTA4, aber dennoch hat das Game seine unabweisbaren Stärken:
Auch wenn die Story zeitweise etwas lahm erzählt wird, bleibt die Geschichte größtenteils authentisch und nachvollziehbar. Einige richtig coole Momente gibt es auch. Vor allem aber punktet Sleeping Dogs mMn mit dem Kampfsystem. Der Fokus liegt hier trotz den immer mal wieder stattfindenden Shoot-Outs auf dem Martial Arts Fight. Zwar sind die Varianten an Kombos übersichtlich, aber das Erlernen neuer Kombinationen und deren Anwendung im Handgemenge machte mir dann doch immer und immer wieder sehr viel Spaß. Zusammen mit den environmental Kills empfand ich die Fights als echte Belebung des Genres. Ich meine,... immer wieder die Deckungsspielchen bei den Shoot-Outs kennt man doch schon zur Genüge. Klar, auch diese sind hier gelungen und gut umgesetzt, aber das alles ist irgendwie ein alter Hut. Die Infights hingegen sind rassig und hart, auch wenn ich diese eher selten als große Herausforderung empfand.
Die kämpferischen Auseinandersetzungen im Game beinhalten einen weiteren absoluten Pluspunkt für Sleeping Dogs: Sie sind echt hart (in der Uncut-Version, die natürlich einzig und allein anzuraten ist). Gerade durch die environmental Kills oder die Finisher und auch einige harte Infight-Kombis, die man nach und nach freischalten kann, erhalten die Kämpfe nicht nur eine gute Dynamik, sondern sie heben das Game auch auf das Level einer echten Gangsterballade, in der sehr viel Blut fließt und rücksichtslos rumgeprügelt wird. Ich hab mich gleich an meine alten Disco-Zeiten zurückerinnert gefühlt...
Bei Erscheinen hat man damals einiges zur Steuerung der Fahrzeuge gelesen. Das ging soweit, dass selbst das Aufsteigen auf's Motorrad kritisiert wurde, weil es angeblich zu lange dauern würde, bis Wei den Helm anzieht. Ich kann dazu nur wenig sagen, weil es mir schlichtweg egal ist. Mir geht es nicht um Simulation sondern um Spaß, und ich empfand die Steuerung der Fahrzeuge nicht als Spaßbremse.
Auch der alltägliche Sammelwahn hält sich bei Sleeping Dogs glücklicher Weise in Grenzen. Je Stadt bzw. Viertel gibt es Tresore und Gesundheitsschreine zu finden. Sofern diese nicht versteckt herumstehen, erkennt man sie schon von der Ferne am Blinken. Dennoch muss man ganz schön lange suchen, bis man die meisten Gesundheitsschreine gefunden hat. Die Jadefiguren für die Kung Fu Schule habe ich hingegen allesamt bei Missionen mitgenommen.
Abschließend noch etwas zur Grafik: Das Gesamtbild ist gut. Die Weitsicht geht in Ordnung. Die Stadtteile sind belebt. Das asiatische Flair wirkt realistisch. Die Atmosphäre stimmt. Natürlich gibt es auch hier Popups, Kantenflimmern, Schaufenstertapeten, und auch das Wasser empfand ich nicht als gerade gut dargestellt, usw. Aber das hält sich alles in Grenzen und stört den Gesamteindruck m.E. nicht wirklich.
Im Vergleich zu GTA4 ist die Story von Sleeping Dogs um einiges kleiner gestrickt. Bis auf Wei sind die Charaktere ganz klar schwarz oder weiß. Überraschungen gibt es hier keine. Dafür punktet Sleeping Dogs mit einem frischen Setting, einer guten Optik und v.a. einem - wenngleich nicht allzu komplexen - so doch motivierenden Kampfsystem. Für mich ein richtig gutes Open World Game, das ich bis zum Ende motiviert durchgezockt habe.
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